» Engagement ist nicht alles
Auf die Motivation kommt es an
Wer vermeintlich Gutes tut, dem vertraue und unterstütze erst, wenn Du seine wahren Motive kennst. Um besser zu verdeutlichen, in welchem Zusammenhang ein vermeintliches Engagement für eine gute Sache auch großen Schaden anrichten kann, sei zuerst eine fiktive Geschichte erzählt.
Eines
Tages entschließt sich ein junger Erwachsener eine Umweltschutz- und Hilfsorganisation ins Leben zu rufen. Das primäre Ziel seiner Organisation ist die Aufklärung über die Gefahren des Autoverkehrs und ein umfassendes Hilfsangebot, wie ein jeder seinen Alltag auch ohne die Benutzung von Automobilen sehr gut meistern kann.
Die professionelle Darstellung seiner Organisation und die glaubwürdige Argumentation seiner Motive auf einem entsprechendem Onlineportal werden ihm bald mit größerem Zuspruch und einem ständigem Wachsen seiner Organisation gedankt. Sein Projekt gewinnt zunehmend an Bedeutung, immer mehr interessierte Menschen schließen sich dieser Umweltschutz- und Hilfsorganisation an.
Erste Erfolge lassen sich verbuchen, immer mehr Mitstreiter setzen sich öffentlich für die wichtige Botschaft ein, dass ein jeder auf sein Auto verzichten sollte. Eine stark in der Öffentlichkeit reflektierte Bewegung ist geschaffen und der Gründer erfreut sich über den enormen Zuspruch und über das große Lob seines selbstlosen und gutes Engagements.
Immer mehr Menschen outen sich als Nichtfahrer.
Eines Tages taucht eine unglaubliche Meldung in einer renommierten Tageszeitung auf: Der
Begründer der Nichtfahrerbewegung wurde in einem 300.000 € teuren Ferrari auf der Autobahn geblitzt. Die Überprüfung des Kennzeichens des Ferraris hatte zum Ergebnis, dass dieser tatsächlich auf den Gründer der Nichtfahrerbewegung zugelassen ist. Weitere Recherchen ergeben zudem, dass der Ferrari sich wirklich im Eigentum des Gründers der Nichtfahrerbewegung befindet und in seiner Garage steht.
Eine große öffentliche Diskussion ist die Folge. Wie konnte der Gründer einer Umweltschutz- und Hilfsorganisation seine Anhänger und Mitstreiter nur auf eine derart niederträchtige Weise hintergehen. In der Folge der öffentlichen Diskussion und der sich hieraus ergebenden Streitigkeiten wird die Nichtfahrerbewegung aufgelöst und sämtliche Anhänger und Mitverantwortlichen müssen sich permanent einem nicht enden wollendem Ansturm von Fragen und Kritik stellen und diesen über sich ergehen lassen. Freundschaften zerbrechen und Menschen die ein emotionales Zuhause gefunden hatten stehen nun alleine und verlassen da. Es bleibt ihnen nur die bittere Erkenntnis - betrogen wurden zu sein.
Die schon immer größere und stärkere Profahrer Bewegung erfreut sich nun einer nie gekannten Beachtung und einem enormen Zuspruch.
Was war passiert? Der Gründer der Nichtfahrerbewegung wollte nur aus einem Grund erreichen, dass Andere damit aufhören Auto zu fahren: Er selber hatte nie die Mittel zur Verfügung einen Führerschein zu erwerben. So unendlich gerne hätte er schon immer ein eigenes Auto besessen. Frei zu sein von Bus
und Bahn und hinzufahren wo er will und wann er will, es wäre sein größtes Glück gewesen. Jedem Autofahrer schaute er von Neid zerfressen hinterher. Er konnte es einfach nicht länger ertragen, dass Andere Auto fahren dürfen und er selber nicht. Dieses waren seine wahren Motive, die zur Gründung seiner Nichtfahrerbewegung geführt hatten.
Eines Tages jedoch hatte er das Glück im Lotto zu gewinnen. Sofort erfüllte er sich seinen sehnlichsten Wunsch und ermöglichte sich selbst, was ihm so lange verwehrt war: ein eigener Ferrari. Seine Motive flogen auf und wurden bekannt. Die an sich guten Ziele der Nichtfahrerbewegung wurden ad absurdum geführt und verkehrten sich ins Gegenteil. Hier endet diese fiktive Geschichte.
Welches Fazit kann man aus einer solchen ziehen? Das Scheitern einer Nichtfahrerbewegung stellt keinen allzu großen gesellschaftlichen Schaden da. Wie verhält es sich jedoch bei wesentlich sensibleren Themen? Hier kann eine falsche Motivation und das Streben nach persönlicher Befriedigung nicht nur Schaden anrichten, sondern auch sehr gefährlich werden.
Ein Sportlehrer kann den Sport lieben oder dass gemeinsame Nacktduschen nach einem Match. Ein Knabenchorleiter kann die Musik lieben, oder die Knaben. Der Initiator und Begründer einer Jugendhilftsorganisation kann die freie Persönlichkeitsentfaltung der Jugend am Herzen liegen oder die Jungs an sich begehrenswert finden. Ein Fotograf kann die schönen Bilder lieben oder sich an dem was tatsächlich vor der Kamera steht ergötzen. 
Wer vermeintlich Gutes tut, den unterstütze und vertraue erst, wenn Du seine wahre Motivation kennst. Versuche Dir immer ein unabhängiges Bild von dem zu machen, was einen Menschen dazu bewegt und antreibt dass zu tun, was er tut. Nur wenn Du dir sicher bist, dass Du weißt warum ein Mensch sich engagiert und Du seine Motive mittragen kannst, wirst Du dich ihm ohne Reue seiner Bewegung anschließen und mitarbeiten können. Nur so ist sichergestellt, dass wenn Du gutes tust, auch Gutes geschehen wird.


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