» Coming-Out mit Selbstbewusstsein
'Ich schwul?! Nein, niemals!'
"Der Anfang von der ganzen Story"
Die ganze Geschichte fing damals im letzten Frühjahr 2008 an, wo ich 15 war.
Damals fing ich mit meinem Führerschein für mein Quad an, aber weil ich Geld brauchte, legte ich mir mehrere Nebenjobs, wie Gärtner und Zeitungsausträger zu.
Hierbei bekam ich viele Aufträge, womit ich mir eigens meinen Führerschein bezahlen konnte, anbei konnte ich mir fast jeden Wunsch erfüllen, den ich hatte…
Ich war ganz allein glücklich mit meinen Jobs, so viel Geld… so viel hatte ich noch nie gehabt und verdient!
"Erfolge überall!"
Aber außer den Jobs besuchte ich die 9. Klasse auch noch, hier war ich trotz der ganzen Jobs sehr erfolgreich, man nannte mich Klassenstreber und Musterschüler. Daher sah am Ende des Schuljahres mein Zeugnis dementsprechend sehr gut aus. Ich habe überall Glück gehabt, in der Schule, in den Jobs, aber eine Freundin?! Ähm… ich sag mal so, wenn mich jemand damals nach einer Freundin gefragt hatte, dann habe ich ihm geantwortet: “Nee, ich brauch kein geldgieriges Ghettogören-Mädchen, was jeden zusammenschlägt, aber auch kein schüchternes Landei!”
Damit begründete ich schon alle Fragen meiner Schulfreunde oder Verwandten.
"Die Sommerferien beginnen und man hat Zeit zum Abschalten"
Dann begannen die Sommerferien und durch meinen Wunsch, den ich mir erfüllen konnte, flog ich wie jedes Jahr alleine zu meiner Oma nach Spanien, die dort wohnt.
Dort verbrachte ich wunderschöne 3 Wochen, alleine ohne Eltern!
Wenn wir am Strand waren, bin ich ganz ehrlich und muss sagen, dass ich die Aufmerksamkeit nur süßen Jungs gewidmet hatte… die sahen alle so toll aus!
Aber nebenbei konnte ich mir nicht denken, dass ich schwul sei, ich sagte nein, niemals!
"Mein erster schwuler Film"
Als ich aus Spanien zurückkam, ruhte ich mich für ein paar Tage aus zu Hause und dabei sah ich dann im Fernsehen den Coming Out Film “Sommersturm”, er hat mir so gefallen, die ganze Geschichte einfach einmalig!
Ich dachte mir, mhhh… ich schwul, nein, noch immer wollte ich es nicht wahrhaben und verdrängte es schnell wieder!
"Mit Geld kann man allein nicht glücklich sein!"
Nach der Sommersaison bekam ich nur noch wenige Aufträge, als Gärtner und meinen Zeitungsjob hatte ich auch gekündigt. Dadurch wurde mein Verdienst immer weniger. Ich merkte, dass man mit Geld eins nicht kaufen kann, was ich den ganzen Sommer nie gebraucht hätte beziehungsweise nie haben wollte… eine Freundin!
Ich wurde mit jedem Tag mehr und mehr unglücklicher, ich machte mich daher auf die Suche, nach jemanden, mit dem ich dann zusammen was unternehmen konnte, aber ich suchte nur nach Mädchen und merkte, irgendwas fehlt, wenn ich ein Mädchen fragte, aber ich wusste nicht was…
"Deprimiert ohne Ende"
Obwohl ich mehr und mehr unglücklicher wurde, war ich nebenbei in der Schule ganz normal, man sah mir es nie an, ob ich deprimiert war, meine Noten waren wie immer einwandfrei und alles war wie beim Alten, aber eins nicht: mein inneres Gefühlssein war komplett zerstört, aber niemand merkte es… nachts, wenn ich dann im Bett lag, merkte ich diese Einsamkeit, ich fing jeden Abend oder in der Nacht an zu heulen, ich konnte fast nie schlafen, aber wenn ich morgens wieder aufwachte, war alles wieder verschwunden, der Schulalltag kehrte wieder ein und abends fing wieder alles von vorne an.
"Die Konfrontation widermals mit dem Film"
Eines Tages sah ich dann mir nochmals den Film “Sommersturm” an und dann merkte ich wirklich, ich bin bestimmt schwul, ich hab die Mädchen in dem Film auch ganze Zeit nur ignoriert, einfach ausgeblendet, so merkte ich es selbst… ich war immer auf die Jungs fixiert, kann man so sagen.
"Die Suche nach einem Jungen, wie ich einer bin"
Danach versuchte ich nur nach Jungs zu suchen, aber im Geheimen.
Ich meldete mich in einen Gaychat an und versuchte mich ein bisschen zu orientieren.
Nach kurzer Zeit wurde ich von vielen Leuten angeschrieben, da fiel mir dann einer auf, jedenfalls war ich zu den Anderen sehr misstrauisch, weil alle meistens nur Sex haben wollten, doch der Junge (Tom) war 21, er wollte sich mit mir einfach so treffen, er sagte, dass er keine anderen Absichten hätte… daraufhin, es war ein Samstagmorgen… jetzt könnt ihr die Story lesen, die ich aus meinem Tagebuch, hier veröffentliche…
"Auszug aus meinem Tagebuch"
Samstag 26. Oktober. 2008: Mein erstes Date mit einem Jungen
Es war ein anfangs ein nebliger Tag und ich war, wie fast jeden Samstag, bei einem Auftraggeber am Arbeiten im Garten. Nach meiner Gartenarbeit dachte ich, ob ich das Angebot ernst nehmen sollte, diesen Tom, der unbekannt für mich ist, kennen zu lernen. Anfangs war ich mir nicht sicher, tue ich es oder nicht. Wir telefonierten heimlich unter dem Decknamen, dass ein Freund anrufen würde, um mit mir nach Köln zu fahren. Ich sagte ihm, dass ich heute kommen könnte, er freute sich darauf sehr, mich mal persönlich kennen zu lernen. Aber meine Mutter durfte es nicht erfahren.
Dann fuhr ich los gegen 15:00 Uhr, am Kölner Hauptbahnhof angekommen, dachte ich, es gibt keinen Weg mehr zurück und fuhr weiter mit der Regionalbahn nach Richtung (den Ort möchte ich nicht verraten, er liegt 70km entfernt von Köln) und kam dort gegen 17:00 Uhr an.
Als ich am Bahnhof ankam, sah ich schon, wie er versprochen hatte, am Busparkplatz zu warten, mit seinem silbernen Renault Twingo. Dann als ich einstieg begrüßte ich ihn mit einem Handschlag, er schien richtig nett zu sein. Auf der Fahrt zu ihm nach Hause redeten wir über das Abitur und des Weiteren, wie Bildung, halt wichtig ist.
Zu Hause bei ihm angekommen, bot er mir sofort was zu trinken an, was ich sehr gastfreundlich von ihm fand. Dann setzte er sich gegenüber von mir und wir fingen dann an über verschiedene Sachen des zu reden wie Bildung, Urlaub, Job und natürlich über unsere Erfahrungen, die wir mit Jungs gemacht hatten. Uns ging der Gesprächsstoff gar nicht aus, wir konnten ununterbrochen reden ohne eine stille Minute dazwischen zu haben, was positiv war. Er schien mir besonders zu gefallen, doch dann dachte ich, kann da heute noch mehr draus werden?! Die Antwort kam ein bisschen später am Abend.
Er sagte ich solle mal sein Zimmer sehen, eine Etage höher. Es war ein kleines aber schönes Zimmer, was er hatte. Er setzte sich aufs Bett und ich auf einen roten Stuhl neben dem Bett. Wir redeten weiter bis das Thema Erfahrungen wieder drankam. Spontan bot er mir an sich neben sich hinzusetzen und nahm meine Hand, als wolle er mir was zeigen. Dann kam es, er fing an, mich zu küssen, es war so, als wäre die Welt stehen geblieben. So ein unbeschreibliches Gefühl, was man nicht in Worte fassen konnte. Wir streichelten uns und küssten uns weiter. Den Rest kann man sich ja glaub ich vorstellen, mehr möchte ich auch nicht verraten…
Er war so nett zu mir und sagte, dass wir jederzeit aufhören könnten, wenn ich nicht mehr weiter machen möchte, doch es war so schön, was man sich hätte nicht vorstellen können und machten weiter. Hier konnte man sich vor 2 Stunden noch nicht vorstellen, was passieren würde, aber es ist passiert und es war wunderbar.
Doch leider haben die schönsten Dinge auch ihre Nachteile, es war spät gegen halb 9 abends und ich musste nach hause, damit kein Verdacht geschöpft wird, dass ich ganz woanders war, als in Köln. Er brachte mich zum Bahnhof und ich bedankte mich vielmals, dass er mich eingeladen hatte.
… das war ein Auszug aus meinem Tagebuch von damals, seitdem habe ich ihn nie wieder gesehen, ich glaube, dass er mich verarscht hat!
"Ich bin schwul und es ist schön!"
Aber nach dieser Erfahrung fühlte ich mich bestätigt… ich bin schwul!
Es hat mir so gefallen, die Küsse, mein erstes Mal mit einem Jungen, einfach alles
war sehr schön…
"Versteckspiel hin oder her?!"
Jetzt fragte ich mich, wie soll ich mich outen? Weil ich mochte dieses Versteckspiel nicht, die ganze Zeit meine Eltern anlügen zu müssen, damit kam ich nicht klar…
Ich redete mit meiner besten Freundin darüber, sie bot mir ihre Hilfe an, ich konnte ihr zu 100 Prozent vertrauen. Immer wenn ich in Anwesenheit anderer Mitschüler, angefangen habe zu reden über Mädchen und was ich erlebt hatte, musste meine beste Freundin das Wort “Mädchen” nur ins Gegenteil umändern, damit kapierte sie es, dass ich das, was ich alles erzählte, alles mit Jungs gemacht hatte und die anderen Schüler verstanden ganze Zeit, das ich eine Freundin hätte…
Sie sagte zu mir, das ich es überlegen sollte, ob ich mich hier in der Schule outen sollte, ich sagte, ich werde es tun, sie sagte darauf, dass sie bei dem Moment dabei sein möchte…
"Der Beginn meines Coming Out's, Teil I" 
Dann, drei Wochen später, es war ein Donnerstag, wo ich in die Schule kam, dachte ich, es wäre der gleiche Tag, wie jeder andere auch, aber da habe ich mich getäuscht, meine beste Freundin war krank und weil ich so spontan komischerweise war, fing ich an, mit meinem Coming Out in Bruchteilen weiterzureichen an andere.
Mich nervten schon seit Tagen bestimmte Personen, die ganze Zeit fragten, wie denn meine Freundin heißen würde, da hab ich gesagt, dass es die nichts angeht!
Als ich dann in der 1. Pause in meiner Bibliothek war, erzählte ich einem Mädchen aus meiner Klasse, dass ich einen Freund hätte, sie guckte mich komisch an und dachte, ich wolle sie wohl verarschen, aber die andere Freundin, die auch aus unserer Klasse kam, grinste und konnte mir nur Mut zusprechen sowas überhaupt zu sagen, die beiden kauften letztendlich die Geschichte mir auch sofort ab…
Dann vor der Bibliothek war eine Clique von mir, ich kam im Vorbeigehen raus und sie sahen mich und dann sagte ich: “Wollt ihr endlich den Namen meiner Freundin wissen?!”, alle in der Clique sagten: “Ja, komm, sag schon!”, ich wiederum: “Kevin aus Köln!”… dann ging ich sofort weg, ich ignorierte alles, aber auch wirklich alles, ich konnte diese komischen Blicke von denen nicht vergessen… letztendlich haben die es dann 2 Tage später erst richtig gepeilt, sie hatten mir das auch erst nicht abgekauft! Und als die “Coolen” aus meiner Klasse das erfuhren, dachte ich, oh mein Gott, die fangen mich jetzt an zu ärgern, aber sie kamen zu mir hin, klopften mir auf die Schulter und sagten: “Wir bewundern es, dass du den Mut dazu hast und dazu auch stehst, mein Respekt!”, das waren die Worte, die ich nie vergessen werde…
"Gemeinschaft ist alles!"
Alle waren stolz auf mich in meiner Klasse, ich sagte zu meiner Lehrerin, dass wir eine sehr sehr gute Klassengemeinschaft haben… niemand hat über mich hintenrum gelästert, überhaupt gar keiner, außer aus anderen Klassen, aber ich hab mit denen eh nichts zu tun! Aber was klar war, war, das sich die Geschichte sehr schnell rumgesprochen hatte in der Schule, aber mir war es egal und auf einmal, war ich bei den Mädchen sehr beliebt, aber ich hab gesagt, es bleibt freundschaftlich, nicht mehr!
Als ich das meiner besten Freundin erzählte, sagte sie zu mir, du hast es ohne mich geschafft, es zu erzählen! Und ich hab es auch allein geschafft, nebenbei habe ich ein sehr großes Selbstbewusstsein jetzt.
"Der Beginn meines Coming Out's, Teil II"
Der nächste Teil, was als Problem galt, war meinen Eltern es zu erzählen…
das konnte ich nicht einfach so machen, wie in der Schule. Es war der kommende Montagmorgen, als ich wieder zur Schule ging, aber bevor ich die Wohnung verließ, schrieb ich einen Zettel, ich wollte es nicht zu lang machen und schrieb auf dem Zettel: “Ich hab einen Freund und bin schwul.”
Ich bin manchmal sehr direkt in solchen Angelegenheiten, aber ich wusste nicht, was ich noch schreiben sollte… als ich dann zur Schule fuhr, bereute ich es zutiefst, das getan zu haben.
"Die Offenbarung"
Als ich nach hause kam, bin ich zu meinen Eltern gegangen und habe ihnen mehr zu dem Zettel erzählt, sie konnten mich verstehen, aber sie sagten, das ich nie die Anzeichen dazu gemacht hätte, schwul zu sein… aber sie haben mich verstanden und akzeptieren mich so, wie ich bin!
"Problem I"
Das Problem was ich noch habe, ist, mein Vater lebt seit langer Zeit getrennt von meiner Mutter, sie wollen auch nichts mehr zu tun haben, wenn ich ihn dann treffe, sagt er mir immer wieder, das ich ihm alles erzählen könnte, über Probleme die ich hätte oder sonst was, aber dann denke ich, dass ich es lieber meinem Vater nicht sagen will, weil ich sein einziger Sohn bin und wir schon mal Probleme hatten, dass wir damals ein Jahr lang keinen Kontakt mehr gehabt hatten, damals habe ich psychisch sehr drunter gelitten… und ich will nicht, dass sowas noch einmal passiert…
"Problem II"
Und meiner 2. Oma, die eine Etage unter uns lebt, der will ich es auch nicht erzählen, weil sie gerne rumtratscht in der Nachbarschaft, deshalb sollte sie es auch nicht erfahren, weil ich mir das Szenario schon vorstellen kann, was dann passiert, wenn sie es erfährt und es rumerzählt!
"Fazit des Outen's" 
Fazit meines Coming Out’s ist, dass es einige Zeit in Anspruch genommen hat, aber ich werde es nicht bereuen, ich steh' dazu, das ich schwul bin und wenn mich heutzutage jemand fragt, dann sag' ich es ihm mit vollem Stolz, das ich schwul bin!
Wir leben schließlich in einer heutigen Zeit, wo es eigentlich schon normal ist und man akzeptiert wird, wenn man schwul oder lesbisch ist, das ist leider aber nicht in allen Ländern der Welt so.
"Problem III"
Ein großes Problem, was ich auch noch habe in der Familie, ist, dass mein Bruder droht, dass ich meinen Namen ändern lassen soll, damit ich die Familie mit ihren Namen nicht den Dreck ziehen würde. Außerdem sagte er, wenn ich meinen Freund mit nach Hause nehmen würde, dann würde er ihn zusammenschlagen, weil hier schon genug “Schwuchteln” rumlaufen würden, und zwar ich!
Aber ich lasse mich nicht umstimmen zum konservativen Leben meines Bruders!
Es ist mein Leben und nicht seins, ich hab zu entscheiden, was ich für richtig halte und nicht er!
Meine Eltern haben mit ihm darüber auch diskutiert und haben gesagt, dass es so was bei uns in der Familie nie geben wird, diese Schwulenfeindlichkeit!
Schließlich könnte ich ja auch sagen, wenn er eine Freundin mitbringt, kann ich
sie ja dann auch verprügeln, oder?!
"Mich kann niemand umstimmen, ich bleib so, wie ich bin!"
Ich bleib' bei meinem Wort und kann allen, die diese wirklich lange Geschichte gelesen haben, nur empfehlen: “Versteckt euch nicht, steht dazu, was ihr seid”, denn es ist besser, für das, was man ist, gehasst, als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden!
Ich bin selbst, wie es meine Freunde damals getan haben, stolz auf euch, wenn ihr dazu steht! Noch ein Ratschlag von mir… überlegt euch das Coming Out gut, setzt euch keinen Zeitpunkt und macht euch keinen Druck damit, entscheidet es dann, wann ihr es für richtig haltet!
"Ein Ratschlag zum Ende"
Aus eigener Erfahrung kann ich nur noch zum Schluss sagen, das dieses Versteckspiel vorbei ist und das mein Leben viel einfacher geworden ist als vorher und letztendlich bin ich auch ohne Geld sehr glücklich!
Ich wünsche euch bei eurem Coming Out sehr viel Glück!
Ganz liebe Grüße,
euer Christopher
Christopher findest Du bei Gayunion.de / Gayhelp.de unter dem Usernamen AnywayParadise


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HALLO MARTIN :ICH GRATULIERE DIR AUCHZU DEIN cOMING AUT JA MANSCHMAL IST ES ZIEMLICH SCHWER SON COMING oUT :ABER ES IST RICHTIG ;DAS MANN SICH DAZU BEKENNT: MANSCHE GEHEN LEICHT :mANSCHE SEHR SCHWER
Grüß dich Christopher, ich kann dir zu deinem Coming-Out nur gratulieren und hoffe, dass du inzwischen die Dinge, die du unter den Punkten Probleme I, II und III angesprochen hast, für dich positiv geregelt bekommen hast. Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, dass du ein glücklicher junger Mann wirst, der sein Leben voll bejahen kann.
LG Martin