» Jan, 17, ist schwul
Ein Psychologe brachte mich drauf...
Ich bin Jan, 17 Jahre und wohne in einem kleinen 2000-Seelen-Kaff in Hessen. Die ganze Geschichte rund um mein Coming-Out begann 2007. Über mich herrschten damals viele Gerüchte, wie "der ist doch schwul" oder "guck dir ma die schwuchtel an", obwohl ich bis dahin nur mit Mädels Erfahrungen hatte, und ich nie darüber nachgedacht habe, schwul zu sein.
Ich war ein kleiner Frauenheld, hatte viele Freundinnen und nie daran gezweifelt schwul zu sein. Das war für mich nie ein Thema. In der 10. Klasse wurde unsere Jahrgangsstufe
neu aufgeteilt und wir hatten nun also auch Sportunterricht in neuer Formation, was zunächst kein Problem war. Ich kannte viele andere Schüler der Parallelklasse und hatte auch nie Probleme mit denen. Ich merke aber schnell, dass ich mich nicht wohl fühlte. Ich hatte das Gefühl, als würde ich die ganze Zeit von anderen beobachtet werden und sie würden über mich lästern. Das zog sich anschließend über eine sehr lange Zeit hin, in der ich mir selber Entschuldigungen geschrieben hatte oder geschwänzt habe. Ich musste mich Montags übergeben, weil ich Freitags Sport hatte. Ich war depressiv und total fertig. Ich wusste nicht, woher diese Angst vor dem Sportunterricht kam. War es nur weil die anderen über mich redeten? Oder war irgendetwas komisch an mir? Ich vertraute mich einen Freund an, der mir riet, zum Arzt zu gehen, was ich dann auch machte.
Ich erzählte meinem Arzt die gesamte Story und er machte mir eine Überweisung zum Psychologen. "Toll, schon so weit ist es also gekommen, dass ich zum Psychater muss", dachte ich mir.
Nichtsdestotrotz ging ich hin. Der Psychologe und ich unterhielten uns sehr viel und er fragte mich sehr intime Sachen und ich antwortete. Dort kam z.B. raus, dass ich es für normal empfunden habe, bei der Selbstbefriedigung an Gleichgeschlechtliche zu denken. Unsere Gespräche waren sehr intim und mir wurde immer mehr klar: "Ich bin schwul, oh nein! Das will ich doch gar nicht." Hauptthema waren aber immer die Sportstunden. Ich machte ihm vor, wie ich mich bewegte und wie ich spielte. Er sagte mir, es sähe schwul aus, wodurch ich zunächst verletzt war, aber mir dann klar geworden ist, warum ich Angst vor Sport hatte.
Ich bin die ganze Zeit schwul gewesen. Seitdem ich denken kann. Ich habe das mein ganzes Leben unterdrückt, und nun quirlte alles hoch. Ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten. Es war alles so komisch. Ich bin schwul... ich, der immer was mit Mädchen hatte. Es hat einige Zeit gedauert bis ich das akzeptieren konnte. Danach ging es mir so gut, wie es mir vorher noch nie ging.
Ich hab mich auf einem schwulen Dating-Portal angemeldet, viele neue Bekanntschaften gemacht, mich mit Jungs getroffen, es war einfach toll. Nun zum eigentlichen Outing: Verliebt hatte ich mich auch schon, allerdings in meinem besten Freund, der dann der erste war, der von meiner Homosexualität erfuhr. Er ist sehr locker damit umgegangen und sagte mir, dass er damit kein Problem habe, aber hetero sei. Ich fand das nicht schlimm. Und so ging es weiter. Ich outete mich bei immer mehr Freunden, und ich habe nie eine negative Erfahrung durch mein Coming-Out gemacht. Alle hatten kein Problem damit und akzeptierten mich so, wie ich bin. Es war toll.
Nun zum Outing vor meinen Eltern: Ich bin treuer Domian-Hörer auf EinsLive, und eines Abends war das Thema "Beobachtet". Ich dachte mir nichts dabei und rief an, weil ich ja durch den Beobachtungsdruck des Sportunterrichtes meine Homosexualität entdeckt habe. Das alles, was bisher hier steht, habe ich dann Domian erzählt, nachdem ich durchgestellt worden bin, was ich nie für möglich gehalten habe. Er mahnte mich aber, das meinen Eltern zu erzählen und ich tat es auch. Beim Autofahren rutschte es mir raus: "Mama, ich ... ich stehe nicht auf Mädels". Ihre Reaktion war mittelmäßig. Sie wollte es zunächst nicht wahrhaben, hat dann aber gesagt, dass sie das schon lange im Gefühl hatte. Auf jeden Fall war ich erleichtet, ihr das gesagt zu haben.
Es war befreiend, es löst sich eine richtige Last von einem wenn man sich geoutet hat. Ich kann es nur jedem Empfehlen der Schwul oder Lesbisch ist. Was aus meiner Sport-Angst geworden ist? Nun, der Psychologe hat eine Sportphobie festgestellt, so dass ich bis zum Abitur kein Sport mehr mitmachen muss. Nun kann ich mich voll und ganz auf die Schule - und natürlich auf Jungs konzentrieren.
Ich war ein kleiner Frauenheld, hatte viele Freundinnen und nie daran gezweifelt schwul zu sein. Das war für mich nie ein Thema. In der 10. Klasse wurde unsere Jahrgangsstufe
neu aufgeteilt und wir hatten nun also auch Sportunterricht in neuer Formation, was zunächst kein Problem war. Ich kannte viele andere Schüler der Parallelklasse und hatte auch nie Probleme mit denen. Ich merke aber schnell, dass ich mich nicht wohl fühlte. Ich hatte das Gefühl, als würde ich die ganze Zeit von anderen beobachtet werden und sie würden über mich lästern. Das zog sich anschließend über eine sehr lange Zeit hin, in der ich mir selber Entschuldigungen geschrieben hatte oder geschwänzt habe. Ich musste mich Montags übergeben, weil ich Freitags Sport hatte. Ich war depressiv und total fertig. Ich wusste nicht, woher diese Angst vor dem Sportunterricht kam. War es nur weil die anderen über mich redeten? Oder war irgendetwas komisch an mir? Ich vertraute mich einen Freund an, der mir riet, zum Arzt zu gehen, was ich dann auch machte.Ich erzählte meinem Arzt die gesamte Story und er machte mir eine Überweisung zum Psychologen. "Toll, schon so weit ist es also gekommen, dass ich zum Psychater muss", dachte ich mir.
Nichtsdestotrotz ging ich hin. Der Psychologe und ich unterhielten uns sehr viel und er fragte mich sehr intime Sachen und ich antwortete. Dort kam z.B. raus, dass ich es für normal empfunden habe, bei der Selbstbefriedigung an Gleichgeschlechtliche zu denken. Unsere Gespräche waren sehr intim und mir wurde immer mehr klar: "Ich bin schwul, oh nein! Das will ich doch gar nicht." Hauptthema waren aber immer die Sportstunden. Ich machte ihm vor, wie ich mich bewegte und wie ich spielte. Er sagte mir, es sähe schwul aus, wodurch ich zunächst verletzt war, aber mir dann klar geworden ist, warum ich Angst vor Sport hatte.Ich bin die ganze Zeit schwul gewesen. Seitdem ich denken kann. Ich habe das mein ganzes Leben unterdrückt, und nun quirlte alles hoch. Ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten. Es war alles so komisch. Ich bin schwul... ich, der immer was mit Mädchen hatte. Es hat einige Zeit gedauert bis ich das akzeptieren konnte. Danach ging es mir so gut, wie es mir vorher noch nie ging.
Ich hab mich auf einem schwulen Dating-Portal angemeldet, viele neue Bekanntschaften gemacht, mich mit Jungs getroffen, es war einfach toll. Nun zum eigentlichen Outing: Verliebt hatte ich mich auch schon, allerdings in meinem besten Freund, der dann der erste war, der von meiner Homosexualität erfuhr. Er ist sehr locker damit umgegangen und sagte mir, dass er damit kein Problem habe, aber hetero sei. Ich fand das nicht schlimm. Und so ging es weiter. Ich outete mich bei immer mehr Freunden, und ich habe nie eine negative Erfahrung durch mein Coming-Out gemacht. Alle hatten kein Problem damit und akzeptierten mich so, wie ich bin. Es war toll.Nun zum Outing vor meinen Eltern: Ich bin treuer Domian-Hörer auf EinsLive, und eines Abends war das Thema "Beobachtet". Ich dachte mir nichts dabei und rief an, weil ich ja durch den Beobachtungsdruck des Sportunterrichtes meine Homosexualität entdeckt habe. Das alles, was bisher hier steht, habe ich dann Domian erzählt, nachdem ich durchgestellt worden bin, was ich nie für möglich gehalten habe. Er mahnte mich aber, das meinen Eltern zu erzählen und ich tat es auch. Beim Autofahren rutschte es mir raus: "Mama, ich ... ich stehe nicht auf Mädels". Ihre Reaktion war mittelmäßig. Sie wollte es zunächst nicht wahrhaben, hat dann aber gesagt, dass sie das schon lange im Gefühl hatte. Auf jeden Fall war ich erleichtet, ihr das gesagt zu haben.
Es war befreiend, es löst sich eine richtige Last von einem wenn man sich geoutet hat. Ich kann es nur jedem Empfehlen der Schwul oder Lesbisch ist. Was aus meiner Sport-Angst geworden ist? Nun, der Psychologe hat eine Sportphobie festgestellt, so dass ich bis zum Abitur kein Sport mehr mitmachen muss. Nun kann ich mich voll und ganz auf die Schule - und natürlich auf Jungs konzentrieren.
Artikel erstellt am 29.07.2010 von Elias


Kommentare (7)
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"Ich machte ihm vor, wie ich mich bewegte und wie ich spielte. Er sagte mir, es sähe schwul aus..." WAS?Im Ernst? Natürlich gibt es Schwule,die sich irgendwie feminin bewegen,aber... Ich finde es super,dass du jetzt dazu stehen kannst,aber der Satz hat mich schon geschockt.
ohhhhhaaaaaaaa ! das kenne ich auch noch von früher!sport = bauchweh ! schade das es heute immer so ist !
Ich will auch eine Sport Phobie haben... Vielleicht hab ich sogar eine. Ich fühle mich auch sehr schlecht wenn ich zu Sport muss etc. Oo mhmmmm... Das ist übrigens ernst gemeint und ich will dich nicht verarschen oder so!
Hi Jan,
ich habe mir deine Geschichte hier gelesen und habe auch die dazugehörige Sendung von Domian angehört. Ich finde es sehr gut, dass du jetzt zu dir selbst stehst und das du jetzt in Ruhe das schwule Leben geniesen kannst ;) Die Aussage, die du in der Sendung machtest im Bezug auf die Bilder/ Poster in deinem Zimmer und die Reaktion von deinem Mum, weil du da ein neues Bild an der Wand hängen hattest, brachte mir ein schmunzeln auf die Lippen ;)
Ich bin auch ein leidernschaftlicher Hörer von Domian und habe sogar das Glück mit ihm persönlich in Kontakt zu sein !!!
Tjaaa ... und ich habe auch sehr oft in seiner Sendung angerufen gehabt u.a. beim Gasttalk mit Georg Uecker !!!
Ich wünsche Dir weiterhin, viel Glück in deinem Leben und das du deine Sportphobie überwindest ;) Ach und dann noch viel Glück, bei deinem Studium, falls du es noch machen solltest ;)
Lg Franky
P.S.: Du hast eine sehr sympathische Stimme
eine sportphobie xD ^^was es heute nicht alles gibt :)
nicht böse gemeint ;)
Hey Janni, schön, dass du hier deine Geschichte niedergeschrieben hast, die Geschichte kannte ich ja auch noch nicht. Aber ich finds schön, wie du dich gemacht hast und jetzt deinen eigenen Weg gehst! Bis bald in Berlin :)
Hey Jan!
Eine wirklich tolle Story die mal wieder Beweist das man sich nicht Verstecken sollte.Und schon gar nicht vor sich selbst.Finde es toll wie du Locker du jetzt damit Umgehst und wünsche dir weiterhin viel Glück im Leben.:-))