» Joelle hat ihrer Mutter einen Brief geschrieben
All die Jahre des Verstellens waren vorbei
Schon als kleines Mädchen habe ich lieber mit Autos gespielt als mit Puppen. Klar hatte ich auch meine Puppen aber es hat mich letzten Endes immer zu den Autos gezogen.
Mit 8 war ich bei einem Karnevalstanzverein und dort war ein Mädchen. Sie hatte es mir damals angetan. Immer wenn ich an sie dachte, hatte ich Kribbeln im Bauch
. Mit 11 merkte ich, dass ich nie Jungs hinterher guckte, wenn dann nur Mädchen. Ich war der Meinung, dass es vielleicht nur eine Phase ist, wie es oft geschrieben steht. Mit 14 hatte ich immer noch kein Interesse an Männern. Hatte zwar meinen Alibifreund, aber das war einfach nur seelische Folter. Alle meine Freundinnen zeigten Interesse an Männerärschen. Ich leider nicht. Ich konnte das Interesse daran nie nachvollziehen. Ab da wurde mir so langsam klar, „Joelle, du bist lesbisch!“. Damit war mein inneres Coming-out geschafft.
Langsam fing ich mich mit dem Thema Lesbischsein auseinanderzusetzen, kaufte mir Bücher, schaute mir Filme an und merkte, das ist es was ich will. Am Anfang empfand ich Hass über mich selbst und meine Gedanken an Frauen. Nach einem halben Jahr hatten mein Ex-Freund und ich wieder Kontakt.
Klingt komisch, aber wir wurden beste Freunde und er war ausgerechnet der, dem ich zuerst erzählt habe was Sache ist - dass ich auf Frauen stehe. Er fasste es super auf und wir führten stundenlange Gespräche darüber und es tat gut endlich darüber zu reden. Nach langem Hin und Her beschloss ich dann auch für mich selbst es meiner Mutter zu erzählen. Erst fing ich an immer wieder Bemerkungen nebenbei zu machen - auf welche meine Mutter leider null reagierte. Naja mein bester Freund und ich fingen an zu überlegen, wie ich es am besten meiner Mutter erzählen könnte und wir kamen zu dem Entschluss, dass ich meiner Mutter einen Brief
mit allem auf den Autositz legen sollte, wenn sie mich zum nächsten Arzttermin fährt.
Also schrieb ich diesen Brief und wartete auf den kommenden Arzttermin. Die Stunden vor dem Termin in der Schule, waren die Hölle auf Erden. Ich wünschte mir, dass die letzte Schulstunde nie enden würde. Doch sie endete. Nachmittags fuhr ich dann mit meiner Mutter in die City zum Arzttermin. Als ich aus dem Auto ausstieg, ließ ich den Brief auf dem Autositz fallen und sprintete zum Arztgebäude.
Ich glaube, das war die schlimmste halbe Stunde, die ich beim Arzt je abgesessen habe…
Als ich mit zitternden Knien aus dem Arztgebäude ging, kam meine Mutter mir entgegen.
In ihrer Hand hielt sie einen Luftballon mit der Aufschrift „I love you“. Ich rannte einfach auf sie zu und fiel ihr in die Arme. Ich weinte wild drauf los, all die Jahre des Verstellens waren vorbei. Endlich konnte ich der Mensch sein der ich wollte. Ich führte ein langes Gespräch mit meiner Mum und sie sagte mir, dass sie mich immer liebe wie ich bin und dass nichts daran etwas ändern könnte. Ich glaube, besser hätte mein Coming-out bei meiner Mutter nicht laufen können... =)


Kommentare (6)
Kommentare (1)
Hallo Joelle :-)
Hach ja, jetzt bin ich irgendwie durch die Reaktion deiner Mutter zu Tränen gerührt. Meine Mutter zuckte nur die Achseln und meinte, es sei ja eh nur 'ne Phase *lach* das war ja wirklich 'ne liebe Geste von deiner Mutter.
Liebe Grüße
Eine wirklich hübsche Geschichte :-) Wie im Roman, nur in echt :-)
Wie aus einem Film :-) ein Happy End.
Aber diese qualvollen Momente des Wartens und zu schauen ob die "Bombe" schon geplatzt ist...puuuh! das stell ich mir fies vor ^^'
Haste auf den Brief dick "Für Mama" drauf geschrieben oder so?
Wäre ja schrecklich wenn sie ihn nicht gelesen hätte sondern gedacht hätte "Hmm oh ein Brief! Der wird wohl privat sein, also les ich ihn mal nicht" xP
suuper tolle sympatische story ;)
Super!! Find ich echt wirklich klasse :) Ich wünschte mir, ich hätte auch so eine Entschlossenheite gehabt... Liebe Grüße!!
Das ist ein sehr schöner Artikel!
Ich wünsche dir weiterhin viel Glück auf deinem Weg!