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Startseite » Leben » Coming-Out-Stories » Verliebt - und dann ausgerechnet in den besten Freund

» Verliebt - und dann ausgerechnet in den besten Freund

"Nur Doofe sind schwul!"


Es fing an am Anfang der 8. Klasse als ich mal wieder, wie sonst auch, in jeder Pause allein meine Runden auf dem Schulhof machte. Ich war wie sonst auch wieder in mich und meinen Frust vertieft. Als ich alleine mal auf einer Bank saß kam Eilen zu mir.

Ich musste „wie bestellt und nicht abgeholt“ ausgesehen haben, oder so was in der Art. „Wenn du dir Freunde suchen würdest, würdest du auch wieder viel lieber zur Schule kommen “, sagte sie in einen ernsten Ton. Aber einfacher gesagt als getan. Wie sollte ich von meinen Loser-Image wieder weg kommen und mir neue Freunde auf der Schule suchen? René, Felix und die anderen der Clique machten sich doch eine Freude daraus, mich zu hänseln. Ich blieb also wie ich war und René und die anderen machten fröhlich weiter. Ich blieb auch weiterhin trostlos in den Stunden und bekam weiterhin schlechte Noten. Sogar meine Lehrer machten sich Sorgen über mich. Was ich nicht verstehen konnte: es war doch alles wie sonst auch, oder hatte sich doch etwas geändert? Aber was? Mir schien nichts aufzufallen.

Der Tag



Es war irgendwann im Schuljahr. Ich weiß nicht mehr genau wann, aber dieser Tag veränderte mein Leben. Es war irgendwann zwischen Anfang 8. Klasse und Pfingsten. Ich glaub aber eher es war nach den Weinnachtsferien und Pfingsten. Aber das ist mir heute noch egal, denn dann kam Tobi zu mir. Er mit seiner witzigen Art zu sagen: „Ey, David? Du bist doch auch Außenseiter, oder? “ „Was willst du Tobias? “, fauchte ich ihn an. „Ja ich bin auch Außenseiter. Lass uns doch Freunde werden! Oder hast du was dagegen? “ Ich weiß bis heute nicht wie er es geschafft hatte das ich „Ja“ sagte. Wahrscheinlich weil er mich zum Lachen brachte, auch wenn das ein echt doofer Satz war, gefiel er mir. Das Wichtigste war, ich hatte nun Freunde. Tobi und Dogi. Eigentlich heißt Dogi anders, wir nannten ihn nur so weil wir zwei von der Sorte Vornamen in der Klasse hatten. Auf jeden Fall wurden ich und Tobi die besten Freunde. Und er hat mir geholfen auch wieder die Freude an der Schule und Freude am Lernen zu finden. Aber nach Pfingsten …

Pfingsten

Ich möchte nicht erzählen was mir passiert ist, denn dies kann ich nicht in Worte fassen.
Ich war mit 'ner Jugendgemeinschaft oder so was ähnlichem zelten. Als ich wieder zurück kam war ich nicht mehr der Selbe. Ich fühlte mich wie ausgespuckt und ausgeschissen. Ich weiß nicht wie lange ich bis dahin schon Depressionen hatte, aber in den kommenden drei Wochen fühlte ich mich als hätte man mir die Seele aus dem Leib gezogen. Ich weiß bis heute nicht wie es passieren konnte, aber Tobi war es, der mich wieder ins Leben zurückholte. Er war einfach nur er selbst. Er war der Erste dem es nach drei Wochen gelang ein Lächeln auf mein Gesicht zu zaubern. Aber viel wichtiger war für mich das mir nun alle möglichen Fragen einfielen. Mir sprudelten nach Pfingsten jede Menge Fantasien durch den Kopf. Ich dachte mir, das gehe schon vorüber, ist sicherlich nur noch vom Stress an Pfingsten. Aber dem war nicht so. Ich begann damit klar zu kommen was Pfingsten passiert ist. Aber meine Fantasien blieben. Ich glaub, der Ulf, der Freund meiner Mutter, bemerkte irgendwann, dass mich was in den drei Wochen bedrückte. Er wollte mir eigentlich neue Schuhe kaufen, weil meine Alten schon ziemlich mitgenommen aussahen. Wir kauften aber noch jede Menge neuer Klamotten für mich, die echt gut aussahen und das heute immer noch tun. Aber das Gute daran war das ich jetzt endgültig mein Loser-Image abgeworfen hatte. Und mir ging es einigermaßen besser.


Sommer



Es wurde Sommer, ich und Tobi wurden unzertrennlich. Aber am Ende der 8. Klasse erfuhren wir, dass die Klassen nach Leistungen getrennt werden. Ich musste mir das Weinen richtig verkneifen beim Gedanken von Tobi getrennt zu sein. Aber wir blieben weiterhin die besten Freunde. Und zu Beginn der Sommerferien wollten wir direkt am ersten Ferientag schwimmen gehen. Das taten wir auch. Sein kleiner Bruder störte eigentlich nicht, bis auf seine Freunde, die ich noch von Pfingsten kenne und schuld daran waren, dass ich mich so schrecklich fühlte. Nämlich TK, Laurin & Co. Aber es war vergangen und wir verstanden uns eigentlich wieder recht gut. Aber eins kam mir pisch vor… und zwar Tobi. Tobi ist intelligent, er ist blond, ungefähr so groß wie ich (ca. 170cm), ist sportlich, nett, sieht süß aus… Stopp! Hatte ich etwa gedacht, dass ich meinen besten Freund süß finde? Oh nein, ich hatte mich doch nicht im Ernst in meinen besten Freund verliebt, oder doch? Ich betrachtete ihn noch einmal als wir auf unseren Handtüchern saßen. Er hatte sich ein weiteres Handtuch über die Schultern gelegt damit er keinen Sonnenbrand bekam. Hatte er sich verändert? Nein, er sah eigentlich wie immer aus. Er saß da und war wie immer fröhlich und aufgeweckt. Mit seinem athletischen Körper saß er vor mir. Seine blauen Augen sahen mich an. Von seinen blonden Haaren liefen noch ein paar Tropfen runter. Ich erwischte mich wie ich ihn in seinen Schritt guckte. Ich beschloss nicht mehr daran zu denken. "Das ist doch albern!", redete ich mir ein. Die kommende Nacht konnte ich nicht schlafen. Ich musste immer wieder an Tobi denken. Ich bin nicht schwul! Nur Doofe sind schwul! Ich stehe doch auf dicke Titten, also auf Frauen! Aber dessen war ich mir nicht mehr sicher. Ich verlor irgendwie die Vorstellungskraft Frauen erotisch zu finden. Um zwei Uhr morgens schlief ich dann ein. Mit der Zeit dachte ich nicht mehr daran wie wir schwimmen waren. Tobi und ich trafen uns noch oft in den Ferien. Wir laberten über alles Mögliche. Zum Beispiel: „Der Sinn der Lebens“, „Zeitreisen“ und so weiter. Eines Tages, als wir bei ihm waren und niemand da war, lagen wir im Garten auf der Wiese. Wir lagen da und redeten miteinander, über die Wolken am Himmel und so was. Wie schön der Augenblick war, wusste ich erst, als unsere Ruhe von seiner Mutter unterbrochen wurde, die jetzt nach Hause kam. In den Ferien flog er dann nach Florida in den Urlaub. Ich habe mich riesig über die Karte gefreut die er mir schickte. Aber bevor er zurück kam fuhr ich für zehn Tage in den Urlaub nach Dresden. Natürlich mit der oben genannten Jugendgemeinschaft. Wenn man die so nennen darf. Eigentlich sind das ja Pfadfinder. Auf jeden Fall kam ich irgendwann nach Hause und es verblieb nur noch eine Woche bis die Schule wieder begann.


Neuntes Schuljahr



Zu Beginn kam ich in eine mir total unbekannte Klasse, mit ein paar Ausnahmen die ich aus meiner alten Klasse noch kannte. Ich verstand mich eigentlich ganz gut mit meinen neuen Klassenkameraden. Bis auf Kamber, der heute immer noch hin und wieder mein Loser-Image wieder ausgräbt und mich als Schwächling hinstellt. Das ist mir aber schnuppe! Obwohl ich nicht mehr mit Tobi in einer Klasse war, trafen und treffen wir uns heute noch jede Pause. Irgendwann hat er mich gefragt ob ich nicht Lust hätte bei Ju-Jutzu mitzumachen. Das war so was ähnliches, wie Judo, Karate oder so in der Art. Na klar sagte ich dazu nicht nein, aber ich musste erst mal gucken wo ich das Geld auftreiben sollte. Schließlich war Ulf bereit mir das zu bezahlen. Von nun an sah ich Tobi jede Woche mindestens ein Mal in meiner Freizeit. Ich ging aber nicht nur wegen Tobi hin. Das machte mir halt Spaß, war ja schließlich was Neues. Irgendwann kamen dann die Herbstferien. Nach den Ferien zogen wir in ein Haus um. "Was für ein Traum!", dachte ich mir. Ich bekam die zwei (sehr) kleinen Zimmer im zweiten Stock. Aber dafür gehörte mir der ganze zweite Stock vom Anfang der Treppe. Aber auch egal. Die Hauptsache war, dass meine Depressionen aufhörten. Am 28.11.2004 hatte Tobi Geburtstag und ich musste mir halt was ausdenken was ich ihm schenken sollte. Ich hab mir wirklich jede menge Gedanken gemacht. Irgendwann hab ich mich dann für die einfache Art entschieden. Aber das Beste war, dass wir mit seinen Freunde schwimmen gingen.

 

 

Tobis Geburtstag, schwimmen



Als ich bei ihm ankam war es fast so weit. Nur noch zehn Minuten und dann ging's los.
Also fuhren wir allesamt schwimmen. Tobi, Kai, Timo, Dogi und ich und noch jemand, dessen Namen ich mir nicht merken konnte. Bis auf Kai und der ohne Name kannte ich alle aus der alten Klasse. Seine Familie war natürlich auch dabei. Wir zogen uns um und gingen direkt zu siebt auf die Wasserrutsche. Dies wiederholten wir ein paar Mal. Danach machten wir Wassercatchen. Ich schied schon nach kurzer Zeit aus, denn ich bekam einen Wadenkrampf. War nicht so toll sag ich euch. Danach gingen wir Turmspringen. Mir musste zwar noch der Druckausgleich beigebracht werden, aber das brachte mir nicht viel. Wir gingen nämlich in das Außenbecken. Draußen war es normalerweise sehr kalt, denn es war Herbst und schon dunkel. Aber das Wasser war wärmer als alle anderen Becken. Und so wie wir drauf waren sprang Tobi aus dem Becken und drehte erst mal ein paar Runden auf dem kalten Asphalt. Natürlich machten wir ihm nach und drehten noch ein paar Runden mehr als er. Aber als Tobi wieder dran war, sah ich wieder seinen schlanken Körper. Nicht das ich ihn nicht schon den ganzen Tag gesehen hätte. Aber ich fing an ihn zu bewundern. Nicht, dass ich nicht auch schlank war aber so wie er aussah, seinen perfekten Körperbau, sein nasses blondes Haar und sogar sein Lächeln. Dies waren die Sachen die ich am meisten an ihm bewunderte. Langsam bemerkte ich, dass ich einen Steifen bekam. Oh Gott, im Schwimmbad. Gott sei Dank nicht mehr als wir aus dem Becken wieder rein in die Halle gingen. Irgendwann nach ein paar Sprüngen vom Dreier, kam eine Durchsage, dass das Schwimmbad nun zumachen würde. Wir gingen duschen. Ich hatte ja irgendwie gehofft einen Blick von Tobi zu erhaschen, aber ich würde eh wieder wegsehen, weil ich viel zu schüchtern war. Als wir mit dem Duschen fertig waren, meinte Timo das ich und Tobi eine Kabine nehmen sollten, weil wir uns doch so gern haben. „Ich hab kein Problem damit! “, antwortete Tobi, aber ich. Ich stand im Konflikt mit mir selbst. Für ihn schien das keine große Sache zu sein, sich vor einen Jungen auszuziehen. Ich war mal wieder zu schüchtern und sagte: „Nee, lass mal gut sein. Ich nehme die hier. “ Danach fuhren wir nach Tobi. Aber keine zehn Minuten später musste ich auch schon gehen. Ich wurde von seiner Mutter nach Hause gefahren. Einer der schönsten Tage meines Lebens war also schon vorbei, dachte ich mir. Wieder zu Hause bedankte ich mich noch mal bei Tobis Mutter und ging dann die Tür hindurch nach Hause. Ich blieb nicht lange auf. Aber ich konnte trotzdem nicht schlafen. Ich musste immer wieder an Tobi denken. Wie er aussah, wie er sich bewegte, wie er halt war und so. Ich stellte mir wieder die Frage: Bin ich schwul? Nein ich bin doch nicht schwul! Ich stehe auf Frauen. Ich hab mich doch mal in ein Mädchen verliebt. Ist das denn nichts? Schwul sein ist was Schlimmes! Ich bin nicht schwul! Ich bin nicht schwul…und dann schlief ich ein, denn schon in neun Tagen war mein Geburtstag.

 

 

Mein Geburtstag



An meinen Geburtstag waren wir kegeln. Ich, Tobi, Kamal und Rocco. Mit Rocco und Kamal hatte ich mich seit einer ca. einjährigen Ruhepause vertragen. Mein bester Kumpel Sascha konnte nicht kommen. Der hatte mal wieder Stubenarrest. Aber egal zurück zur Party. Auf der Party passierte nicht viel. Ich hatte beschlossen an meinem 16. doch nicht so eine große Party zu machen. Und außerdem musste ein Erwachsener mitkommen. Deshalb nahm ich noch Ulf mit. Aber der Nachteil war das Ulf in einen Kegelverein war und uns richtig fertig machte. Danach waren wir bei mir essen. Es gab irgendwas Indisches oder Chinesisches. Auf jeden Fall meinten alle, dass das Essen wirklich gut war, denn sie haben so viel gegessen, dass der Kuchen fast überhaupt nicht angerührt wurde. Wir wollten zuerst „Troja“ gucken, aber als wir erfuhren, dass wir „The Day After Tomorrow“ oder so hatten, guckten wir natürlich den. Tobi saß auf dem besten Sessel im Keller. Wir saßen auf dem Sofa. Ich hätte viel dafür gegeben das Tobi sich neben mich setzen würde. Nach dem Film gingen wir auf mein Zimmer, das Tobi zum ersten Mal sah. Wir testeten ein paar PC Spiele. Tobi war der letzte der ging, denn er musste abgeholt werden. Wir hatten nach dem Film eh nicht so viel Zeit. Der Tag war vorbei, aber im Bett musste ich immer häufiger an Tobi denken. Ihr könnt euch doch schon denken worüber.

 

 

Die Filmnacht



Irgendwann ladete mich Tobi auf eine Filmnacht der evangelischen Kirchengemeinde ein. Ich war zwar katholisch, aber der Glaube war nicht der Leitpunkt. Es war eher eine Jugendgemeine. Ich konnte erst später kommen, da ich noch arbeiten ging, um mir mein Taschengeld zu verdienen, denn sonst hätte ich mir das nicht leisten können. Wir saßen nebeneinander. Irgendwann kam Anna zu uns und wollte nur reden. Aber wie die geredet hat. Der Film der gerade lief war eh langweilig. Aber die redete und redete, bis der Satz fiel: „Hast du eigentlich eine Freundin? “ Mein Herz blieb stehen. „Wieso? “, antwortete ich. „Wieso nicht, nur so. Oder bist du etwa schwul? “. Sie sagte das, als wäre es das normalste auf der Welt. „Hier der x (hab Namen vergessen *lol*) ist auch schwul! “ sagte sie lächelnd zu einem Jungen dessen Name ich vergessen hatte. Ich weiß nicht ob das ironisch gemeint war oder nicht. „Du und Tobi gebt doch ein perfektes Paar ab. Oder nicht, Tobi? “ Ich schaute Tobi an und der antwortete nur: „Du spinnst wohl! “ Aber sie redete noch weiter. Die redet und redet und irgendwann sind alle deine Geheimnisse weg, dachte ich mir. So gegen 4 - 5 Uhr morgens ist Tobi dann eingeschlafen. Ich streichelte ihm durchs Gesicht und durch die Haare. Ich weiß nicht ob er wach war oder nicht, auf jeden Fall sah er ziemlich süß aus wie er sich da auf dem Sofa hingelegt hatte. Ab diesem Augenblick war ich mir klar, dass ich Tobi liebe. Ich war mir aber immer noch unsicher und wollte mir trotz allem nicht eingestehen, dass ich Tobi liebe. Einige Tage später als ich durchs Internet surfte gab ich mal in Google den Suchbegriff „schwul“ ein. Nach ein paar Seiten kam ich dann auf die Seite „SeiDu“. Ich habe mir einige Artikel durchgelesen. Ich fand sie recht interessant. Als ich mir dann ein oder zwei „Coming Out Stories“ durchgelesen hatte und noch auf einige andere Artikel stieß, war ich mir sicher und es fiel mir wie ein riesiger Stein vom Herzen. Ich bin schwul! Und ich liebe Tobi! Aber nun kam das nächste Problem? Vor wem sollte ich es verbergen, oder wem sollte ich es denn sagen? Ich hatte doch niemanden außer Tobi! Und wenn ich ihm direkt meine Liebe gestehen sollte, dann würde er mich bestimmt abweisen. Und das ist es was ich am meisten im Leben fürchte, Ablehnung! Ich beschloss ihm erst mal nur zu sagen, dass ich schwul bin. Dass ich mich in ihm verliebt habe brauchte er ja nicht direkt zu Anfang wissen. Aber wann sollte ich ihm das sagen, denn bald waren schon Winterferien. Mach dich bloß nicht verrückt. Du hast Zeit. Ich frag ihn einfach mal, wann er in den Ferien Zeit hat dachte ich.


Weihnachten

 

 

Im letzten Tag hab ich ihn nicht mehr nach der Schule gesehen, denn meine letzte Stunde entfiel. Ich fing an ihn zu vermissen. An Heiligabend war bei uns der Teufel los. Meine Mutter hatte sich zu viel Stress gemacht und schloss sich im Schlafzimmer ein und heulte sicherlich, denn als sie sich beruhigt hatte und wieder runter kam hatte sie rotunterlaufene Augen. Meine Oma irrte irgendwo herum, denn sie hatte sich schon seit sechs Stunden nicht mehr gemeldet. Verlaufen und wahrscheinlich war ihr Handy mal wieder Kaputt. Aber sie rief bei unserer alten Wohnung von den Nachbarn aus an. War schon verwirrend. Zu Weihnachten bekam ich ein neues Handy, denn mein altes wurde Mal wieder geklaut. Ich muss auf meine Sachen halt mehr aufpassen. Es war ein Siemens MC60. Und ich bekam noch ein paar neue Sachen zum anziehen, die wie ich meinte, mir recht gut standen. So gegen sechs Uhr abends rief ich dann Tobi an um ihn frohe Weihnachten zu wünschen. Ich hatte mit ihm abgemacht, dass ich ihn in zwei Tagen anrufe um uns zu verabreden. Wir mussten nämlich noch was über die Ferien für den NW Kurs machen. Ich dachte mir, dass ich ihn fragen sollte, ob wir gemeinsam Silvester verbringen wollen. Das wäre doch eine super Gelegenheit ihm zu sagen, dass ich schwul bin. Die Nacht schlief ich sehr unruhig. Ich schlief erst nach 2:30 ein, obwohl ich schon um zehn nach zwölf Uhr ins Bett gegangen war. Am nächsten Tag war ich mit meinen Kumpels, Rocco und Kamal, draußen. Wir sind durch die Stadt gelaufen und haben über alles Mögliche gelabert. Für meinen Geschmack etwas zu viel, denn ich erfuhr, dass sie die totale Schwulenhasser sind. Am Sonntag war ich dann im Chat und hab meine alte Chatfreundin wieder getroffen. Die hatte mir schon früher in Sachen Liebe Ratschläge gegeben. Sie war überrascht zu hören, dass ich schwul bin, aber sie hat sich, glaube ich, für mich gefreut oder so. "So nun ist es endlich raus!", dachte ich mir. Und wie immer haben wir stundenlang geredet, denn wir haben uns seit Monaten nicht mehr unterhalten. Am nächsten Tag war ich dann bei Tobi. In mir staute sich ein Drang auf, es ihm zu sagen, aber wir kamen nicht zum Thema. Zuerst machten wir mit seinen Hund die Runde und dann gingen wir zu ihm. Sein kleiner Bruder Sven war da und schon nach kurzer Zeit kam leider sein Freund TK, der hier leider um die Ecke wohnte. Wir waren also nicht mehr alleine. Wir verabredeten uns für Mittwoch, um zum Saturn zu fahren. Als er mir was

am PC zeigen wollte, musste ich sehr nahe an ihn heran, um was erkennen zu können. Ich spürte wie mein Herz immer kräftiger schlug. Er dachte sich wohl nicht viel dabei aber ich verbrannte fast in seiner Nähe. Ich hab ihn noch gefragt, ob er Silvester was vorhat und wir nicht gemeinsam Silvester verbringen können. Er meinte, dass er bei den Nachbarn sei und es würde schon in Ordnung gehen wenn ich kommen würde. Aber mir war irgendwie nicht wohl bei den Gedanken bei Fremden im Haus zu sein. Aber ihm zuliebe würde das schon in Ordnung gehen. Ich fuhr mit Tränen in den Augen nach Hause, weil ich es nicht fertig brachte es ihm zu sagen. Es war schon dunkel und es waren kaum noch Leute auf der Strasse. Aber auch egal, dachte ich mir. Dann kam der Tag. Silvester …

 

 

 

Silvester



Ich sollte zwischen 17:30 und 18:00 bei ihm sein. Ich hatte mich sogar für Silvester rasiert. Ich zog mir meine besten Sachen an um nicht alles zu verderben, denn ich hatte mir vorgenommen Tobi heute zu sagen das ich schwul bin. Ich war ungefähr um 17:25 Uhr bei ihm, denn Gott sei Dank wurde ich im letzten Augenblick gefahren, denn sonst hätte ich die ca. sechs Kilometer mit dem Fahrrad fahren müssen und das hätte mich ca. 25 Minuten gekostet. Also bei ihm angekommen, haben wir noch ein bisschen PS2 gespielt. Dann bekam er von seiner Mutter die Haare geschnitten. Irgendwie wurde ich neidisch, denn meine Mutter hätte sich für so was keine Zeit für mich oder meinen Bruder genommen. Also dann nach ca. 30 Minuten gingen wir dann ins Nachbarhaus. Ich kam mir sehr komisch vor, aber zum Glück waren wir nicht die einzigen die eingeladen wurden, denn es waren ca. 20-30 Personen da. Darunter auch Jugendliche. Nach einigen Runden Burnout 3 oder wie das Spiel auch hieß war auf einmal Tobi weg. Er ist ins andere Kinderzimmer gegangen, wo er mit einem Mädchen redete. Ich setzte mich zu ihnen und nach ein paar Minuten war uns auch schon langweilig und wir spielten Karten. Tobi bekam von seinen Vater Ärger, denn er ärgerte seinen Bruder ein wenig und der musste ja wie immer direkt petzen gehen. Wir gingen runter um was zu essen. Nach einigen Salaten und was weiß ich noch alles suchte ich mir einen Berliner aus, der mich aber böse überraschte, denn statt mit Marmelade war der mit Eierlikör gefüllt. Bäh! So um kurz vor 0 Uhr gingen wir dann raus um Böller und Raketen pünktlich zu Neujahr abzufeuern. Wir feuerten noch lange. Es gab auch eine Schlägerei, die jetzt aber unwichtig ist. So um 2:30 gingen wir dann wieder rüber zu Tobi um zu schlafen. Ich lag in meinen Schlafsack auf ein paar Isomatten am Fußende von Tobis Bett. Das Licht ging aus. „Tobi? “ „Ja? “ „Schläfst du schon? “ „Nein! “ Mir stockte der Atem und mein Herz raste wie wild, denn ich versuchte ihm zu sagen, dass ich schwul sei. Gar nicht so einfach sag ich euch! Irgendwann bekam ich dann den Mund auf: „Ich muss dir was beichten. “ „Ja was denn? “ Ich weiß nicht mehr genau was ich gesagt habe, auf jeden Fall redete ich um den Brei herum. Bis Tobi dann irgendeine Bemerkung über Bienchen und Blümchen machte. Damit hab ich’s dann auch versucht. „Oh…! Ähm, ja…“ Ich hatte es geschafft ihm zu sagen, dass ich schwul bin, aber ich glaube er wollte es anfangs gar nicht glauben, denn er meinte ich sei in seinen Augen höchstens bi. Er hatte mich gefragt was mit Jenny sei, das war meine erste große Liebe aber die wollte nichts von mir wissen und jeder wusste es, dass ich in sie verliebt war. Diese Zeit war aber schon lange vorbei. Wir diskutierten noch eine Weile wobei er sich anhörte wie immer. Kein Ton von Verachtung oder so. Er sprach eigentlich wie immer mit mir. Für ihn schien das keine große Sache zu sein. Es gab immer wieder stille Gedankenpausen und ich fragte ihn oft ob er noch wach sei. Nach einer Weile brach er unser Gespräch ab und meinte, dass wir lieber schlafen sollten. Aber ich machte die Nacht nicht ein Auge zu. Ich war wie in Trance. Ich machte nichts außer nachdenken, darüber, wie es nun weitergehen soll. Ich merkte im Gespräch, dass er hetero ist und als ich darüber nachdachte kamen mir die Tränen. Ich gab die Hoffnung aber nicht auf, dass es doch anders sei. Um ca. 13 Uhr standen wir auf und Tobi holte seine Sachen zum Anziehen. Er zog sich vor mir um und ich bemerkte, dass zu den Sachen die er holte, eine Boxershort beilag. Hat er etwa unsere Unterhaltung vergessen oder warum tut er mir das an und zieht sich vor mir um, dachte ich mir. Er fragte mich wie ich seine Mäuse finden würde. Ich ging zum Käfig um mir die Mäuse anzusehen. Und als ich mich wieder umdrehte hatte er bereits die Boxershort an. Puh… dachte ich mir. Er hat mich ausgetrickst. Aber wenn ich gekonnt hätte, hätte ich hingeguckt? Ich weiß es nicht. Wir aßen noch was und dann musste ich auch schon nach Hause. Aber wir sehen uns eh noch für NW mit Dogi am Montag, dachte ich mir. Und schon war ich auf dem weg nach Hause.


Zurück in der Schule



Am Montag und Freitag als wir uns mit Dogi trafen ist nicht viel passiert. Wir mussten uns um unsere Schulaufgaben Kümmern. Es war, als wäre nichts geschehen. Aber mein bester Kumpel Sascha merkte, dass was mit mir nicht stimmt und hat mich gefragt. Es war viel einfacher ihm zu sagen, dass ich schwul bin. Sascha fragte mich noch ob ich ihm nicht die Lieder von Linkin Park geben könnte. Da ich keine CD mehr frei hatte, gab ich ihm meine Sicherheitskopie meiner Daten wo auch Linkin Park und dieser Text hier drin ist. Ich hab ihm gesagt das es nicht schlimm wäre wenn er es lesen sollte aber trotzdem es bitte sein lassen solle und es ja nicht den anderen erzählen sollte. In der Ersten Schulwoche kam ich immer zu spät um Tobi vor dem Unterricht zu treffen und einmal kam ich zu spät in den Unterricht. In der Schule wurde ich endlich langsam besser aber zu Hause wurde es immer schlimmer. Meine Mutter stritt sich immer öfters mit Ulf, ihrem Freund, dem wir es zu verdanken hatten, dass wir uns das Haus leisten konnten. Es fehlt nicht mehr viel bis die sich trennen würden, dachte ich mir. Was würde passieren wenn wir ausziehen müssten oder wenn Ulf ausziehen wird? Dann könnten wir uns das Haus nicht mehr leisten. Solche und noch viele andere Gedanken schossen mir Nacht für Nacht durch den Kopf. Ich wollte nicht mehr zurück, nicht jetzt, nicht hier, und auch nicht irgendwann. Ich wollte einfach nur, dass sie sich vertragen und das alles so wird wie es sein sollte! Nicht selten waren mein Bruder und ich der Auslöser für den Streit. Anfangs stritten sie sich nur über Kleinigkeiten, aber irgendwann um mehr. Um Lügen, um Geld und noch so einiges! Eigentlich wollte ich es meiner Mutter ja irgendwann sagen aber wenn es so weiter gehen sollte dann sollte ich es lieber sein lassen, denn ich hatte Angst wie auch zuvor abgelehnt zu werden. Ich hatte vor der Ablehnung mehr Angst als vor allem andereen! Ich hatte eigentlich nur davor Angst und auch davor, anderen nicht rechtzeitig sagen zu können was ich fühle. Wie dem auch sei, vertragen sich meine Mutter und Ulf meistens wieder, aber am nächsten Tag fingen sie immer wieder an zu streiten. Am Wochenende ging bei meinen Freunden das Gerücht um, dass ich in Tobi verliebt sein solle. Natürlich fragten sie mich öfters ob dies stimmt, aber ich verneinte das am Anfang, weil sie sich anscheinend darüber lustig machten. Aber dies war nicht so. Ich fragte Sascha, ob er es ihnen gesagt hatte und er schwört, dass er niemanden etwas gesagt hatte. Am Wochenende dürfte er sowieso nicht mehr raus und so konnte ich ihn nicht mehr fragen. Ich wunderte mich immer wieder warum sie mich nach Tobi fragten, sie kannten ihn doch überhaupt nicht. Schon in der Schule haben sie mich nach ihm gefragt. Aber wie sich heraus stellte, hatten sie den Text gelesen und nun brachte jegliches Verleugnen nichts mehr. Ich war also unfreiwillig bei meinen Freunden geoutet worden. Sie gingen aber normaler damit um, als ich dachte. Ich beschloss mich am Montag mal mit Sascha zu unterhalten und wenn er es immer noch schwören würde, dann würde ich richtig sauer werden. Es war ja nicht so als sei es schlimm, dass ich jetzt geoutet bin. Es ist nur schlimm, dass ich nicht wusste das sie es durch ihm wussten und dass er es mir weiter verheimlichte und mich anlog. Aber es ereignete sich alles ganz anders. Mein Kumpel konnte eigentlich nix dafür. Ich war jetzt schon bei total vielen geoutet und es beunruhigte mich nicht mehr gegen diese ständigen Gerüchte ankämpfen zu müssen. Und heute? Heute sitze ich hier an meinem Schreibtisch und schreibe die letzten Sätze. Heute ist heute und gestern war gestern! Was kommen wird weiß ich nicht, aber ich bin gepnt, wie es mit Tobi weiter geht oder ob es ganz anders ablaufen wird als ich dachte. Ich werde mich natürlich auch versuchen bei dem Rest der Welt zu outen. Ob ich deshalb diese Story schreibe? Nein, ich schreibe dies hier, um mir klar zu machen, was ich denke und was ich selber für mich empfinde. Ich lasse euch nur an meinem Weg der Selbstfindung teilhaben.

 

 



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Vorhandene Kommentare (2):
Nutzername DanoDavid David schreibt am 12.05.2010, 02:23 Uhr:
xD krass xD die liest noch wer? xD ich bin der letzte (oder auch erste, jenachdem wie mans sieht xD) in der datenbank xD das ding ist voll alt xD hallo da war ich 16 oder so und im video 17 xD das ist ... moment lass mich kurz rechnen ... ich bin 21 also sind das ... 21-17 *an fingern zähl* ... 4 bis 5 jahre xD mensch ist das ding alt xD
aber freut mich das es noch jemand toll findet ^^ hat mich auch echt arbeit gekostet xD 3 monate lang tippen und drei mal mussten wir dieses scheiß video aufnehmen xD und das da ist nur die kurzfassung xD die version über ne stunde ist i-wie abhandengekommen und die neue kammera hat nen problem mit dem orginal band ka xD egal danke ^^
Nutzername kaju Katharina schreibt am 09.03.2010, 22:25 Uhr:
Ausführlich und immer wieder schöne Absätze, dein Coming Out super schöne Story David ;-)

Artikel erstellt am 30.12.2007 von Benedikt
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